{:de}Hier ist ein Beitrag für alle, die ihren Rock’n Roll gerne laut hören:

Verbotenes Blau


Wer öfters unseren Blog besucht, dürfte sich an den Bericht über die Aktion einer Bürgerinitiative in dem Bremer Stadtteil Neustadt vom vergangenen September erinnern.

Nach wiederholten ergebnislosen Versuchen, offizielle Stellen zum Eingreifen zu bewegen, hatten Anwohner eine blaue Fahrbahnmarkierung in einem der unübersichtlichen Einmündungsbereiche zweier Straßen angebracht, um den Verkehr zu verlangsamen.

Innerhalb weniger Tage und ohne dem lokalen Beirat Gelegenheit zu geben sich zu äußern hatte die Behörde verlauten lassen, dass die Farbe unverzüglich entfernt werde, da sie gegen die Straßenverkehrsordnung verstoße und Autofahrer verwirre.

Ein Leser unseres Blogs schickte nun vor kurzem dieses Foto von der Strecken eines Radschnellweges in Göttingen an die Initiative:

Erlaubtes Blau

Zur Erinnerung: hier sind einige der in Presseberichten und Briefen getätigten Aussagen vonseiten des Bremer Verkehrssenators, bzw. vonseiten des ihm nachgeordneten Amtes für Straße und Verkehr:

  • Brief des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr vom 14.07.2016 in Sachen „Neustadt Lahnstraße, blaue Farbmarkierung, Auszug: „Im Straßenverkehr zu verwendende Markierungen sind rechtlich explizit in der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt und festgelegt. Durch die in der StVO festgelegten Arten von Markierungen wird den Verkehrsteilnehmenden ein klares Signal gegeben, wie sie sich an der jeweiligen Stelle zu verhalten haben.“ Und weiter: “…können aufgrund von Uneindeutigkeiten zu verschiedensten Problemen führen, …“
  • Weserreport, 17.07.2016, „Blaue Kreuzung soll wieder weg“, Aussage H. Tittmann (Sprecher des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr) gem. Redaktion: In Deutschland kenne man keine blauen Markierungen. „Das lenkt ab und kann sogar lebensgefährlich sein“, meint er. „… die Kommune unter Umständen haftbar“. Und: „Das ASV sei aus rechtlichen Gründen gezwungen, die Farbe wieder zu entfernen“.
  • SAT 1 regional, 18.07.2016, Anwohnerinitiative „Blaue Kreuzung“, Aussage H. Tittmann gemäß Redaktion: „Die Stadt verzichtet auf rechtliche Schritte, denn eigentlich war die blaue Farbe ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und so auf deutschen Straßen nicht vorgesehen“.

 Das obige Foto aus Göttingen belegt nun unzweifelhaft, dass wir in Deutschland entgegen obigen Aussagen doch blaue Fahrbahnmarkierungen kennen und einsetzen!

Nun ist die aber Frage, woher letztlich die oben zitierten Fehlinformationen rühren, und wer ein Interesse an deren Verbreitung hat …

Übrigens: Die Kosten des aufwändig von der Stadt durchgeführten Rückbaus in Höhe von ca. 10.000 EUR wurden von den Anwohnern beglichen.

Wie dichtete einst Neil Young?

They give you this, but you pay for that.

 Viel Spaß

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Right, here’s a post for people who like their rock ’n’ roll loud.

Forbidden Blue

Regular readers of our blog may remember our post back in September about a citizens’ initiative in Bremen’s Neustadt. In an attempt to calm traffic in their streets, and after years of official procrastination, local residents financed the creation of a blue-painted junction. Within days, the local authority announced the removal of the offending paint, claiming that it was against traffic regulations, and indeed would irritate motorists.

But following our post, a group of activists in Göttingen sent the residents this photo:

Permitted Blue

Just for the record, here are some of the statements made, in letters and in reports to the media, by Bremen’s Transport Dept:

  • Letter from the Senator for the Environment, Construction and Transport of “Neustadt Lahnstraße, blue color marking, excerpt:” Markings to be used in road traffic are legally explicitly regulated and defined in the road traffic regulations. The types of markings set out in the Road Traffic Ordinance provide a clear signal to those who are on the road, as they have to behave at the respective location. “And further:” … can lead to various problems because of ambiguities …
  • “Weserreport , July 17, 2016, “Blue Crossing is to go away again”, statement H. Tittmann (spokesman of the senator for environment, construction and traffic) acc. Editor: In Germany you do not know blue markings. “That distracts and can even be life-threatening,” he says. “… the municipality may be liable”. And: “For legal reasons, the ASV is forced to remove the color”.
  • SAT 1 regional, 18.07.2016, “Blue Crossing” by the local residents “Statement by H. Tittmann according to editorial:” The city renounces legal steps, because actually the blue colour was a dangerous intervention in road traffic and does not appear on German roads.

It seems that in Germany we do “know blue markings”. The question is, who is providing this sort of mis-information?

The group of Neustadt residents were eventually billed for the removal of their blue paint, costing them nearly 10,000 euros. As Neil Young wrote:

They give you this, but you pay for that. Enjoy.

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