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Der Wahltag naht, wir alle müssen uns entscheiden. Und es wird schwierig, denn es müssen Regierungsbündnisse her. Wie erreichen wir eine Koalition, die eine nachhaltige, grüne Verkehrspolitik vorantreibt und eine Verkehrswende beschert, die die Klimakrise ernst nimmt?

Es ist noch nicht lange her, da haben wir die Parteiprogramme in Bremen hinsichtlich ihrer Aussagen zur Verkehrs- und Fahrradpolitik untersucht. Unsere Schlussfolgerung war damals, dass es wohl zwei Koalitionsmöglichkeiten geben könnte: Eine große Koalition von SPD und CDU or ein linkes Regierungsbündnis von SPD, Grünen und Linken. Aber die neuesten Umfragen zeigen, dass eine Jamaika-Koalition aus Schwarz, Grün und Gelb immer möglicher wird.


So ein Ergebnis macht Jamaika wahrscheinlicher

In Schleswig-Holstein gibt es Jamaika bereits und bildet damit eine attraktive Alternative für eher konservative Grüne. Das andere Modell ist Kretschmanns Weg in Baden-Württemberg. Doch wer hier in Bremen von Kretschmanns Erfolg träumt, vergisst, dass die Grünen dort die Mehrheit vor den Schwarzen haben. Baden-Württemberg ist Grün-Schwarz, nicht Schwarz-Grün.

In Bremen gibt es eine Reihe von konservativen Grünen, wie es etwa einer unserer Posts beschreibt: Hier wollen Grüne in Schwachhausen das illegale aufgesetzte Parken legalisieren. Die Frage ist natürlich: Mit welchem grünen Flügel kriegen wir die Verkehrswende wirklich hin?

Ganz klar: Das grüne Engagement für eine Verkehrswende ist sehr viel stärker als den anderen Parteien. Und unser Interview mit dem verkehrspolitischen Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Ralph Saxe zeigt das sehr deutlich. Aber es gibt auch Machtspielchen bei den Grünen – wie bei jeder Partei. Würde ein Wahlsieg der CDU über die SPD dazu führen, dass der konservativere Flügel der Grünen ernsthaft über eine Jamaika-Koalition nachdenkt?


Wahlwerbung der CDU

 Sowohl die CDU als auch die FDP wollen, dass der “Verkehr” rollt, womit “Verkehr” bei ihnen immer Autoverkehr ist. Die FDP treibt das noch auf die Spitze, wenn sie von der “Autostadt Bremen” spricht. Eine Jamaika-Koalition könnte Politiker wie Ralph Saxe schnell auf die Seite drängen. 

Die Linke wiederum hat deutlich gesagt, dass sie sich für eine Verkehrswende einsetzen werde. Wären sie bei der Bildung eines fortschrittlichen Regierungsbündnisses dabei, würde das die Politik von Leuten wie Ralph Saxe stärken und es wahrscheinlicher machen, dass endlich klare Maßnahmen zur Erreichung einer Verkehrswende vereinbart werden.

Der Spitzenkandidat der SPD, Carsten Sieling hat bereits öffentlich erklärt, dass er eine Koalition der SPD mit der CDU und der FDP ausschließt.Seine erste “Koalitionspräferenz” sei daher Rot-Grün, die zweite dann Rot-Rot-Grün.“ Damit stellt sich eine paradoxe Situation her: FahrradaktivistInnen in Bremen, die sich eine Regierung mit einer nachhaltigen Verkehrspolitik und einer Verkehrswende wünschen, müssen anfangen wahltaktisch zu denken. Sie müssen vielleicht ernsthaft darüber erwägen, SPD zu wählen, damit diese stärker als die CDU wird. Denn, wenn die CDU stärkste Fraktion wird, wird sie für sich reklamieren, zu regieren und eine Koalition zu bilden. Und dann wird Jamaika immer wahrscheinlicher. Aber wenn die SPD gewinnt oder nur ganz knapp hinter der CDU liegt, werden die Jamaika-Ambitionen der Konservativen im Keim erstickt, und die Chancen für eine linke Regierungskoalition steigen – für eine Koalition, die das Wort Verkehrswende wieder ernst nimmt. Auch eine starke Partei „Die Linke“ macht so ein fortschrittliches Bündnis wahrscheinlicher.

Für FahrradaktivistInnen ist es eigentlich klar: Grün ist die Farbe, aber vielleicht muss Rot dazu gemischt werden. Und wer Grün wählt, sollte links panaschieren, die Personenstimmen dem fortschrittlichen Flügel der Grünen geben. Aber das muss auch klar sein: Egal aus welcher Partei, wir brauchen die Personen in der Bürgerschaft, die glaubwürdig die Verkehrswende unterstützen und vorantreiben.

{:}{:en}Election day is approaching, we all have to decide how to vote. And it will be difficult, because coalition talks will follow. How do we achieve a coalition that promotes a sustainable, green transport policy and takes the climate crisis seriously?

Earlier this month we laid out the transport manifestos of the main parties for the coming Bremen state election this Sunday. We concluded that, given the state of the opinion polls, two coalition outcomes were likely – a grand coalition of CDU and SPD, or a left coalition of SPD, Greens and Die Linke. But the most recent opinion polls point to one other possibility – a so-called Jamaica coalition of CDU, Green and FDP.

Jamaica already exists in Schleswig-Holstein, and is an option that is attractive to the right-wing faction of the Greens. Their dream is Kretschmann’s way in Baden-Württemberg. But anyone who dreams of Kretschmann’s success here in Bremen forgets that the Greens in Baden-Württemberg are the larger party . Baden-Württemberg is green and black, not black and green.

The Greens in Bremen certainly have their right wing, as evidenced by our recent post describing the attempts by some Greens in Schwachhausen to legalise pavement parking. The question here is – what would prove better for the Transport Transition?

There is no doubt that the Greens have the strongest commitment to sustainable travel. Our interview with transport spokesperson Ralph Saxe lays out compelling reasons to back the party. But this does not take into account the Greens’ internal battles. Would an election win for the CDU over the SPD embolden the right wing in the Greens to form a Jamaica coalition?

With the CDU campaigning strongly on “keeping (motorised) traffic flowing”, it is unlikely to prove helpful to those seeking a Transport Transition. The FDP are also strongly pro-motor car. A Jamaica coalition could well mean politicians like Ralph Saxe get marginalised in the process.

Die Linke, on the other hand, have exhibited a strong commitment to a Transport Transition. Their presence in a left coalition would strengthen the hand of the likes of Ralph Saxe in coalition talks and would be more likely to lead to strong measures in support of a Transport Transition.

The SPD’s lead candidate Carsten Sieling has already ruled out a “grand coalition of CDU and SPD, in favour of a left coalition with the Greens and Die Linke. Paradoxically, this suggests that cycling campaigners in Bremen wanting to see a government committed to sustainable transport should seriously consider voting SPD to improve the chances of that party gaining more votes than the CDU. With the CDU moving ahead of the SPD, they will get the first chance at forming a coalition. A CDU win will point to an attempt at a Jamaica coalition. But if the SPD run the CDU close, it could kill off these ambitions, and open the door to a left wing régime committed to transforming the state’s transport policies.

Equally, a strong Die Linke will also increase the likelihood of such a government.

For cycling activists, the advice is clear. To get Green, vote Red. Under the Bremen voting system, this can mean voting for those Green candidates sympathetic to a Transport Transition. But equally, there are compelling reasons for voting for SPD and Die Linke candidates with similar sympathies.

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