{:de}Im Rahmen der Ersten Bundesweiten Falschparker-Aktionswoche hat das Bremer Bündnis für die Verkehrswende gestern, Donnerstag, den 31. Mai 2018,  den nachfolgend veröffentlichten Brief an Mitglieder der Landesregierung des Bundeslandes Bremen gesandt.

an den Senator für Inneres Herrn Mäurer,

an den Bürgermeister der Stadt Bremen Herrn Dr. Sieling,

an den Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, Herrn Dr. Lohse

Bremen, den 30. Mai 2018

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Herren Senatoren,

hiermit protestieren wir in aller Form gegen die gängige Praxis innerhalb der Bremer Verwaltung, das ordnungswidrige Abstellen von Fahrzeugen auf Gehwegen in Bremen zu tolerieren. Das Parken auf Gehwegen ist nach der Straßenverkehrsordnung grundsätzlich nicht gestattet. Gehwege sind öffentlicher Raum, den Fußgängerinnen und Fußgängern vorbehalten, und kein privater Parkraum.

Im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Land Bremen bekennt sich der Senat den dort genannten Zielen.

Artikel 9 der UN-BRK fordert von den Unterzeichnerstaaten, geeignete Maßnahmen zu treffen, um Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen eine volle Teilhabe zu ermöglichen. Die volle Teilhabe bedarf neben anderen Handlungsschritten der Beseitigung von Zugangshindernissen und Barrieren. Dies schließt den öffentlichen Verkehrsraum mit ein.

Die persönliche Mobilität mit größtmöglicher Unabhängigkeit ist von den Vertragsstaaten sicherzustellen: sie ist für behinderte Menschen eine Voraussetzung, Teilhabe auch tatsächlich leben zu können (Artikel 20).

Warum setzt das Ordnungsamt Bremen diese Bekenntnisse der Politiker und Verbände für eine barrierefreie Mobilität in Bremen nicht konsequent um?

Wir fordern, dass das Ordnungsamt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung die geltende Gesetzeslage und Verordnungen anwenden und geltendes Recht in Bremen umsetzen.

Als Innensenator der Stadt Bremen sehen wir Sie, Herr Senator Mäurer, in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass die städtischen Ämter im Sinne des geltenden Rechts agieren.

Dies bedeutet, dass das Ordnungsamt ab sofort von der Praxis abrückt, sich unter Berufung auf den möglichen Ermessensspielraum und den sog. Opportunitäts-grundsatz auf einen lediglich bestehenden „Richtwert“ zu beziehen und das rechtswidrige Parken auf Gehwegen und in sog. „5-Meter-Zonen“ nicht konsequent zu ahnden. Richtwerte sind einzuhalten.

Eine freie Auslegung der Toleranzen der Richtwerte sind nicht vertretbar insbesondere, wenn dadurch die Lebensqualität der anderen Verkehrsteilnehmeri*innen eingeschränkt ist. Das Ermessen darüber, was „passierbare Gehwege“ sind, hat sich grundsätzlich nach den vorliegenden Beschlüssen und den Anforderungen an eine barrierefreie Mobilität zu richten.

Das Parken auf Gehwegen ist ohne bestehende Markierungen nicht gestattet und erst eine Gehwegbreite von mindestens 2 Metern ermöglicht eine barrierefreie Mobilität.

Seit Jahren weisen Ortsämter, Beiräte, Bürgerinnen und Bürger Ihr Ordnungsamt auf teilweise erhebliche Regelverstöße hin. Auch diverse Presseberichte thematisieren immer wieder, dass vor allem mobilitätseingeschränkte Menschen und Kinder durch zugeparkte Gehwege massiv an einer gleichberechtigten Teilhabe und Nutzung der Verkehrsräume gehindert werden.

Die offensichtliche Duldung des Falschparkens fördert das Fortschreiten eines falschen, aber trotzdem als so empfundenen Gewohnheitsrechts.

Die konsequente Verfolgung von Verstößen gegen die Parkvorschriften ist unentbehrlich, um rücksichtsloses und gefährliches Parken zu verhindern und trägt zu einem funktionierenden Parkraummanagement bei.

Andere Verkehrsteilnehmer*innen profitieren ebenfalls davon: Einsatz- und Rettungsfahrzeuge, Lieferverkehr, Radverkehr, Kinder, ältere und generell mobilitätseingeschränkte Menschen.

Bauliche Maßnahmen, wie beispielsweise Poller, sind zur Verhinderung von Parkverstößen keine alleinige und an jeder Stelle mögliche Lösung, weil auch hier öffentlicher Raum verschwendet wird und weitere vermeidbare Hindernisse für andere Verkehrsteil-nehmerinnen und Verkehrsteilnehmer entstehen.

Zudem werden Lücken solcher Hindernisse in der lokalen Mobilitätskultur als „kostenlose Parkflächen überall dort, wo kein Hindernis ist“ falsch verstanden.

Wir fordern Sie hiermit – ebenso respektvoll wie nachdrücklich – auf, dafür zu sorgen, dass die innerhalb Ihrer Verwaltung zuständigen Ämter die geltenden rechtlichen Bestimmungen sowie die Bekenntnisse der zuständigen politischen Gremien zum Aktionsplan zur Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention im Land Bremen sofort und konsequent umsetzen.

Hochachtungsvoll

Bremer Bündnis für die Verkehrswende (Landesverbände des BUND e.V. , VCD e.V., ADFC e.V. und FUSS e.V.){:}{:en}It’s National Illegal Parking Week in Germany. As part of a series of actions in Bremen, the Bremen Alliance for A Transport Transition sent the following letter to members of the state government of the State of Bremen:

Dear Mayor of Bremen, and dear Bremen Senators,

This letter is a protestation. We strongly object to the official practice of your government to allow illegal car parking on Bremen’s pavements. This kind of car parking categorically transgresses the law and Road Traffic Regulations [Straßenverkehrsordnung]. Pavements are a public space for pedestrians. Pavements are not a private space for car parking.

The Bremer Senate has adopted the implementation plan of the UN’s Convention on the Rights of Persons with Disabilities (UN-CRPD), thereby binding Bremen’s government to its goals. Article 9 of the UN-CRPD commits the signatories to take appropriate measures to ensure to persons with disabilities access, on an equal basis with others, including the physical environment. These measures include the identification and elimination of obstacles and barriers to accessibility. Equal access includes access to spaces of public life and transport systems.

Personal mobility with a maximum of independence is supposed to be facilitated by the signatories (Article 20). Enabling personal mobility is a prerequisite to participation in public life.

These are the promises that the politicians and civic society organisations have signed up to and endorsed. Why is it possible that Bremen’s government does not promptly act on these promises of mobility free from barriers?  We demand that Bremen government officials implement the prevailing law and regulations.

We have identified you, Senator Mäurer, in your authority as Senator for City Affairs, to have the responsibility to ensure the orderly implementation of the UN-CRPD by the council. This means that the government, with immediate effect, should cease the deplorable practice that allows illegal car parking on pavements including the 5-metre junction rule.

We have noticed that the government have reinterpreted what they deem acceptable use of public space. Your government started to tolerate illegal car parking. This reinterpretation, however, does not take into account all users of public space. Your government’s reinterpretation is now restricting free movement on pavements. Yet, what is passing as acceptable use of pavements must be based on adopted policies of the government. Without appropriate signage, the parking of cars on pavements is illegal. A mobility free from barriers requires a minimum pavement width of two metres.
For many years citizens have informed the government of these illegalities. And often these incidents have been severe. The media also has amplified these voices: the negative impact of illegal car parking on children and mobility-impaired people, the loss of personal independence, public freedoms and equal access. The apparent leniency by your officials towards illegal car parking further exacerbates the situation: citizens are given the impression that the parking up of public space is acceptable.

The rigorous enforcement of illegal car parking has now become of paramount importance. The government should no longer tolerate dangerous and careless car parking. The government must equitably manage parking space and car parking.
In doing so, this would benefit Bremen’s citizenry on the whole: emergency services, deliveries, cycling, children, older people and people with impaired mobility.
The use of physical measures alone, such as bollards to prevent car parking, are not sufficient, and sometimes counterproductive: even more public space is wasted and new obstacles are created.  Furthermore, the gaps between bollards can too easily be re-interpreted as free space for parking.

The solutions to the challenge of cars in public space must be holistic.In sum, we ask you – as respectfully as we do forcefully – to notify your officials. The Bremen government must now enact policy and law and accordingly implement the UN-CRPD with immediate effect.

Yours faithfully

Bremer Alliance for Transport Transition (Bremen Friends of the Earth , VCD e.V., ADFC e.V. und FUSS e.V.)

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