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Fahrradstraße Parkallee – parkende Autos, Mischverkehr, Chaos

Ich habe das beobachtet – teilweise aus nächster Nähe, teilweise aus der Ferne: das leidige Hin-und-Her der Politik und Verwaltung (P&V) in der Parkallee. Was machen? Was tun? Wir haben einen Radweg, dann nicht, dann wieder doch, und nun weiß es keiner so genau gar nicht mehr. Was mich an der Sache so nachdenklich stimmt, ist die Unklarheit der Entscheidungsfindung. Wo ist die klare Linie?

Bremen ist eine tolle Fahrradstadt

Die Zeit, die ich über die letzten zwei Jahre in Bremen verbracht habe, ist recht angemessen. Angemessen genug, um mich als Kommentatorin hinsichtlich der Vorgänge in der Parkallee zu Wort melden zu dürfen. Es verblüfft mich immens, wie wenig die P&V Bremens bestehende Werte schätzen. Bremen ist eine tolle Fahrradstadt! Den Eindruck, den ich jedoch gewann, als ich mich mit EntscheidungsträgerInnen und AktivistInnen in Bremen unterhielt, war ein ganz anderer. Es schien irgendwie nur hinter der vorgehaltenen Hand erlaubt zu sein, zuzugeben, dass man und frau, Kind und Kegel, in Bremen radfährt. Warum die Schüchternheit?

Bremen überschätzt die Bedeutung des Autos

Diese Frage der Schüchternheit habe ich mir oft gestellt über die letzten paar Monate. Ich denke nun, dass die Antwort irgendwas mit der relativen Stellung des Fahrrades im Bremer Verkehrswesen zu tun hat. Zu einem: Was man kennt, wird nicht mehr wahrgenommen oder geschätzt. Zum anderen nimmt das Auto einen unverdient hohen Stellenwert ein – oder jedenfalls, so wird es erzählt, denken das „die anderen“. Durch ständige Wiederholung ist nun eine Halbwahrheit entstanden, die immer weiter durchkonjugiert wird. Die Wirklichkeit vieler BremerInnen ist jedoch anders, vermute ich ganz stark.

Bremen steckt im Visionsloch

Das andere Erwähnenswerte ist da wohl auch die Zuversicht. Es erscheint mir schon so, dass die P&V keine echten vorausschauenden Zukunftswünsche für Bremen haben. Wir sind in einer Art Visionsloch. Selbst der Verkehrsentwicklungsplan ist so vollgequetscht mit Dingen, dass es fast unmöglich ist, eine klare Linie zu erkennen. Wo geht es hin? An der Antwort kann noch viel gefeilt werden. Muss auch, damit Bremen sich weiterentwickeln kann.

Bremen muss wieder Radwege bauen

Was weiterhin tun? Meiner Meinung nach gibt es noch einen weiteren Weg der schnellstens beschritten werden muss. Der erste Schritt wäre, dass Bremen begreift, auf welcher Goldgrube es eigentlich sitzt. Radfahren macht schlank, klug und auch ein wenig reich. Na ja, es ist auf jeden Fall persönlich bereichernd, stauvermeidend und eine echte BürgerInnen-Aktion – Radfahren macht aktiv und zeigt persönlichen Einsatz im Stadtbild. Dieser Effekt allein muss mehr gestärkt und unterstützt werden. So ist es wichtig, ja unerlässlich, dass Bremen mit dem Radwegeabbau aufhört und mit dem Radwegeaus- und -neubau wieder anfängt. Und dazu bedarf es eines Gestaltungskataloges.

Bremen braucht einen Gestaltungskatalog für Radwege

In den USA haben sie das schon länger begriffen. Die gestalterischen Spielregeln müssen verbindlich geregelt werden, z.B. Radewegebreite, Arten von Trennung vom MIV usw.. Und somit ergab sich dann ein Verband von Verkehrsgestaltenden, die diesen Katalog aufstellten, NACTO heißt dieser. Er wird nun in den USA angewendet. Insbesondere Städte haben die NACTO-Regeln adoptiert, und weiter geht’s mit dem Radwegebau! Wenn’s im Superautoland USA geht, dann erst recht in einer Fahrradstadt wie Bremen. Ich kann noch hinzufügen, dass es ähnliches nun auch seit ein paar Jahren in London gibt. Dort heißt der Katalog dann London Cycling Design Standards. Das deutsche Regelwerk ist wohl relativ schwach und lässt zu viele Entscheidungslücken offen klaffen. Da muss das Ingenieurwesen mal ran.

Bremen muss weg vom Hin und Her

Vor allem braucht Bremen Klarheit. Es wäre wegweisend für die städtische Zukunft, wenn große Zeichen gesetzt werden könnten. Die Parkallee braucht deutlicheren Gestaltungssinn und -verstand. BenutzerInnen müssen den Raum schnell und schmerzlos begreifen können. Das Hin-und-Her wäre jedermann und -frau erspart gelblieben. Ja schon, wir können Verkehrsversuche machen, aber selbst diese Versuche bedürfen mehr Klarheit. Was soll getestet werden? Welche Bedeutung hat die Parkallee für den Radverkehr und andere Fortbewegungsarten? Was soll gefördert werden? Das Erstellen eines Gestaltungskatalogs, wie NACTO oder der London Standards könnte der Bremer ADFC doch als eines seiner Ziel aufnehmen, oder?

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Fahrradstraße Parkallee – parkende Autos, Mischverkehr, Chaos

For some time now – from near and afar – I’ve been rubbernecking the ongoing saga of Parkallee – and the council’s to-ing and fro-ing, politicians and officers alike. What to do? What’s going on? At one point there is a cycleway, then there isn’t, now you see it, now you don’t, then no-one quite knows what’s really happening. The thing for me is this: where is the decision-making clarity? Where is the solid foundation to traffic – and in particular cycle – policy?

Bremen is a fab cycle city

Over the last two years I have spent a considerable amount of time in Bremen. So much so that I believe I am qualified to comment on the goings-on on Parkallee. I am baffled how little the council values Bremen’s prime assets. Bremen is a fab cycle city! The impression that I have gained however, when talking to activists and decision makers alike, was quite the opposite. Somehow we can only whisper it – everyone, young and old, cycles in Bremen. Why the shyness?

Bremen overvalues the car

I have asked myself this question again and again over the last few months. My conclusion is that it has something to do with the bike’s relative status in Bremen’s transport system. For one thing, what is common and everyday can easily get overlooked. For another, the car is overvalued (and undeservedly so). Or at least Car is King is what everyone seemingly holds on to. Chinese whispers. This has now become a firmly believed truism that has developed a life of its own. Yet the reality of many Bremer citizens looks different, if I may venture my opinion.

Bremen is on autopilot

Then there is confidence. It seems to me that, in an age when cities globally are stepping up to the new challenges of the 21st century,  the council has no major transformational objectives for Bremen’s future. The city is on autopilot. With no vision. Even the transport plan is so crammed full of stuff, that it is impossible to see a clear line. Where are we heading? Answers on a postcard please. What’s Bremen’s direction for the future?

Bremen must extend its network of cycleways

What is to be done? In my opinion, there is another road that Bremen must travel, and as soon as possible. The first step would be that Bremen understands the gold mine it actually sits on. Cycling makes you slim, smart and also a bit rich. On a personal level cycling is enriching, reduces traffic congestion, and shows personal commitment as a citizen in shaping a better cityscape. This effect alone must be strengthened and supported more. So it is important, indeed essential, that Bremen stops dismantling cycleways, and starts again to construct new ones. This requires a design catalogue.

Bremen would benefit from a design catalogue

The U.S. is miles ahead on this. The design rules have recently been clarified. Width of cycleways, level of protection from motorised traffic, you name it. In the U.S. a group of future-oriented planners and engineers got together to publish a design catalogue, called NACTO.  Now it’s in heavy use in that country. Cities especially adopted the NACTO rules, providing clarity on cycleway design. If this kind of thing is possible in Car Country No.1 why not in Bremen, a Cycle City? It is worth adding that London has had a similar design catalogue for the last couple of years. There it is called London Cycling Design Standards. The German equivalent is probably too weak and toothless, leaving gaping holes in the design practice. Engineering has to step up – Fortschritt durch Innovation!

Bremen’s to-ing and fro-ing is tiring

What Bremen needs most of all is clarity. Setting clear directions is vital for the city’s future. On Parkallee we need clarity and confidence in its design and planning. A crucial element of design is that the user immediately and intuitively knows how to use the space. The to-ing and fro-ing was quite unnecessary, and tiring too. Yes, it is good practice to trial new designs first, but these trials also benefit from clarity. What is on trial? What purpose has Parkallee for cycle traffic and other modes? Which modes need (design) support in the urban space? If the creation of a definitive design catalogue, like NACTO or London Standards, could be made a campaigning goal by the Bremen ADFC, everyone would be helped in the future.

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