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Klimakrise und Verkehrswende brauchen umsetzbare Konzepte. Die Initiative “Einfach Einsteigen” hat deswegen ein durchgerechnetes Konzept zur Finanzierung des Ausbaus und des Betriebs des Bremer Nahverkehrs ausgearbeitet. Ein Vorbild auch für andere Städte? Hier findet Ihr Hintergründe zum Finanzierungskonzept von Einfach Einsteigen (EE)  für den Nahverkehr und dessen Begutachtung durch den Bremer Senat. Wenn das Konzept umgesetzt wird, so sagt die Ini (im folgenden “wir”), kann der Nahverkehr in Bremen fahrscheinfrei betrieben und umfassend ausgebaut werden. Und jetzt kommt EE  selbst  zu  Wort:

Was kostet es?

In den letzten Monaten werden wir immer wieder gefragt: Wie steht es um die mögliche Verwirklichung des Einfach Einsteigen Konzepts? Zunächst einmal ein Rückblick: Im Januar 2019 haben wir unser Basiskonzept für einen umlagefinanzierten Nahverkehr in Bremen vorgestellt. Beispielhaft haben wir vorgerechnet, was es kostet, wenn Bürger*innen und Wirtschaft, ähnlich wie bei der Sozialversicherung, jeweils zur Hälfte die Kosten für Betrieb und Unterhalt eines erweiterten, attraktiven Nahverkehrs trügen.


Basiskonzept von Einfach Einsteigen, Grafik: “Einfach Einsteigen”

Damit – so unsere These – kann die Stadt die bisherigen Ticketsubventionen in den notwendigen Ausbau des Nahverkehrs investieren. Das heißt: Mehr Fahrzeuge, neue Bahnhöfe und ein dichtes Straßenbahnnetz.

Wir unterstützen den ganzen Umweltverbund

Natürlich ist es notwendig, dass die Stadt parallel Maßnahmen ergreift, um den Rad- und Fußverkehr in Bremen deutlich attraktiver zu machen. Wir möchten den Umweltverbund als Ganzes stärken und die Maßnahmen für Rad- und Fußverkehr aus einer umfassenden Parkraumbewirtschaftung mitfinanzieren. Dieses Konzept und unsere Vorschläge stellen wir unablässig in öffentlichen digitalen und analogen Veranstaltungen vor, sprechen mit der Politik und mit Menschen aus Fachkreisen, Verwaltung, Nahverkehrsunternehmen oder auch mit ver.di.

2/3 der Bremer*innen mögen unsere Vorschläge

Einiges haben wir bereits erreicht: Eine repräsentative Umfrage, ergab, dass knapp 2/3 der Bremer*innen bereit sind, 20 € monatlich für die Umlage zu bezahlen. Trotzdem besaß die Politik in den Koalitionsverhandlungen (wie so oft in Bremen) nicht den Mut, direkt zu sagen, “Wir machen das!”. Stattdessen vergab die Koalition einen Prüfauftrag, in dem unser Finanzierungsmodell mit anderen Tarifkonzepten verglichen wird. Auch wenn Details noch zu klären sind, gehen wir davon aus, dass die Grundidee einer paritätischen Finanzierung des Nahverkehrs bei Verwendung der bisherigen Subventionen für den Ausbau sicher umsetzbar ist.

Nun mach mal, Politik!

Es dürfte nur wenige Orte in Deutschland geben, in denen die Zustimmung für einen umlagefinanzierten Nahverkehr so hoch ist wie in Bremen. Daher darf diese Maßnahme als Teil einer umfassenden Verkehrswende ebenso wie andere wirksame Klimaschutzmaßnahmen nicht länger hinausgezögert werden, indem Gutachten bestellt, Enquête-Kommissionen eingerichtet oder über einen Volksentscheid(s. Epilog*)zum Thema spekuliert wird: Verkehrswende und Klimaschutz waren im letzten Wahlkampf zentrale Themen. Die Politik hat hier einen klaren Auftrag erhalten, den sie endlich umsetzen muss!

Die Verkehrswende ist ein notwendiger Kulturwandel

Wir sehen die Verkehrswende als notwendigen Kulturwandel, denn die Autokultur ist schwer zu überwinden. Wir möchten Menschen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft für den Nahverkehr gewinnen und Verbesserungsideen für den ÖPNV aus unterschiedlichen Perspektiven generieren. In diesem Sinne haben wir den Schulwettbewerb “Nahverkehr besser machen” , das Public-Transport-Lab, das Barcamp Nahverkehr  und den Hackathon Nahverkehr gestartet und unterstützen die Gewerkschaft Ver.di  bei ihrem Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen. Weitere Ideen und Projekte z.B. auch mit Künstler*innen und Kulturakteurenschaffenden sind in Planung. Wir freuen uns auch über Ideen und Vorschläge. Über unser Finanzierungskonzept hinaus organisieren wir etliche Projekte, um die Verkehrswende in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen.

Epilog zum Thema Volksentscheid

(*) Es mag manche*n Leser*in wundern, warum wir einen Volksentscheid kritisch sehen.An sich sind Volksentscheide gute, in Deutschland viel zu selten genutzte, Instrumente. Doch im Gegensatz zu der Schweiz hat die deutsche Politik keine guten Rahmenbedingungen für Volksentscheide geschaffen. Wenn denn mal seitens der Regierenden über Volksentscheide gesprochen wird, dann erweckt es daher oft den Eindruck als ob man die Verantwortung für eine Entscheidung nicht übernehmen will. Wenn tatsächlich Interesse am Willen der Wähler*innen bestünde, dann wären die Rahmenbedingungen so, dass tatsächlich eine Kultur regelmäßiger Volksentscheide entstehen kann. Solange das nicht der Fall ist, fällt es schwer, das Fallweise auftretende Interesse für Volksentscheide ernst zu nehmen.

{:}{:en}The climate crisis and need for a transformation to a sustainable traffic and transport system demand feasible concepts. The initiative “Einfach Einsteigen” (not exactly translateable, but close to Simply Enter; Get on (board)/hop on) has developed a calculated concept for financing the expansion and operation of Bremen’s local transport system. A role model for other cities as well?

Here is some background information on “Einfach Einsteigen” (hereafter abbreviated as “we”) financing concept for local transport as well as its assessment by the Bremen Senate. If the concept is implemented, the initiative claims, local transport in Bremen can be operated without tickets as well as comprehensively expanded.(Note:  this is operating  under  German  law)

What does it cost?

First of all a review: In January 2019 we presented our basic concept for a pay-as-you-go local transport system in Bremen. As an example, we calculated what it would cost if citizens and private companies were each to bear half of the costs of operating and maintaining an expanded, attractive local transport system, similar to the social security system.


Basic concept of Einfach Einsteigen, Grafics: “Einfach Einsteigen”

This will enable the city to invest the previous ticket subsidies in the necessary expansion of local transport. This means more vehicles, new stations and a dense tram network. With the climate crisis breathing down our necks, it is now time to restructure local transport so that people switch from cars to local transport.

We support all environment-friendly forms of transport

Of course it is necessary for the city to take parallel measures to make cycling and walking in Bremen much more attractive. We would like to strengthen the environmental alliance as a whole and co-finance the measures for cycling and pedestrians by a comprehensive parking management system. We are constantly presenting this concept and our proposals in public digital and analogue events, talking to politicians and people from specialist circles, administration, local transport companies or even the trade union ver.di.

2/3 of Bremen residents* like our suggestions

We have already achieved a lot: a representative survey showed that almost 2/3 of Bremen residents are prepared to pay 20 € per month for the levy. Unfortunately, politicians in the coalition negotiations (as so often in Bremen) did not have the courage to say directly “we’ll do it!” Instead, the coalition government commissioned an audit in which our financing model is compared with other tariff concepts. Even though details still need to be clarified, we assume that the basic idea of equal financing of local transport can certainly be implemented if the previous subsidies for expansion are used. This is the essential point for us.

Go ahead, politics!

This measure, like other effective climate protection measures, must not be delayed any longer as part of a comprehensive turnaround in transport policy by ordering expert opinions, setting up commissions of inquiry or speculating about a referendum (see epilogue*) on the subject: Transport transformation and climate protection were central issues in the last election campaign. Politicians have been given a clear mandate that they must finally implement!

Transport transformation is a necessary cultural change

We see the transport transformation also as a cultural change, because car culture is difficult to overcome. We want to win people from different parts of society over to local transport and generate ideas for improvements in public transport from different perspectives. With this in mind, we have launched the school competition “Nahverkehr besser machen” (“Making local transport better”), the Public Transport Lab, the Barcamp Nahverkehr and the Hackathon Nahverkehr and support the trade union Ver.di in its efforts to improve working conditions. Further ideas and projects, e.g. also with artists and cultural actors, are in the planning stage. In addition to our financing concept, we are also organising a number of projects to bring about a change in peoples’ attitudes to local transport.

Epilogue on the subject of referendum

(*) It may surprise some readers why we take a critical view on referendums, which are good instruments but used far too rarely in Germany. But unlike in Switzerland, German politics has not created a good framework for referendums. Whenever the government talks about referendums, it often gives the impression that it does not want to take responsibility for a decision. If there were really an interest in the will of the voters, then the framework would be in place to enable regular referenda. As long as this is not the case, it is difficult to take any interest in referendums seriously.{:}